64. Chamer Volksfest 2012 - Cagey Strings
Fotos + Text: Benjamin Franz
     
     

Die „Cagey Strings“

„Das sei aber ungewöhnlich“ , hör ich einen Feriengast aus den neuen Bundesländern, „dass sich die jungen Leute im Zelt mit Oldies und Rock´n Roll so in Stimmung bringen lassen.“ „Die Ferien haben bei uns begonnen und auf der Bühne stehen die „Cagey Strings“." , schrei ich der älteren Dame meine Einschätzung ins Ohr. Wobei das letztere eigentlich immer ein Garant für gute Stimmung ist. Schon bei den vergangenen Auftritten in Cham hatte die Münchner Band nie Schwierigkeiten das Junge Volk aus der Reserve zu locken. Heute stehen wieder viele Dirndlschönheiten und Lederhosenburschen auf den Bänken und klatschen sich in Verzückung. Das man zu den Rock´n Roll Klassikern na- türlich auch tanzen kann, wenn man tanzen kann, beweist dann ein älteres Pärchen, dass mit federnder Leichtigkeit ein ganzes Arsenal an eindrucksvollen Tanzfiguren abspult. Die „Cagey Strings“haben eben ein breites Publikum und das macht sie für die Volksfestbühne so interessant. Wenn Bandleader Schorsch Angerer dann die ersten Takte von der Chuck Berry Nummer - Johnny B Goode auf seiner Gi- tarre anschlägt, geht ein Raunen durchs eingeweihte Pub-likum. Erst tobt er mit Bassist Peter Biermeier springend über die Bühne, steigt dann auf den großen Verstärker, nimmt seine Gitarre auf den Rücken und spielt sein Instru-
 
ment im Blindflug. Viele kennen die Vorlage aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ , vielleicht wissen auch einige das der Schauspieler Michael J Fox bei dieser legendären Sze- ne nicht wirklich die Saiten seiner Gitarre zupfte, sonden sich mit einem Playback behalf. Was sich hier in Chamer Bierzelt abspielt ist live. Das Tempo, die Griffwechsel sind mörderisch und doch schleicht sich beim Schorsch Anger- er kein falscher Ton ein. Er springt vom Verstärker, wirft sich auf die Knie und lässt die Saiten aufheulen. Für dieses lange Solo braucht es ungewöhnliche Virtuosität, aber auch immense Kondition, damit der Schorsch beim wieder ein- setzenden Refrain nicht ins Japsen kommt.

„Klar langt man manchmal daneben.“ , erklärt mir der wiedergeborene Chuck Berry aus München in der Pause. „Das ist aber auch nicht schlimm, sonst denken noch einige da läuft ein Playback.“

Die „Cagey Strings“ waren mein persönliches Highlight auf der Festzeltbühne. Die verbleibenden Festtage wird die Oktoberfestkapelle Otto Schwarzfischer und am Samstag die Kapelle Josef Menzl das Zeltpublikum unterhalten. Am Freitag sorgen die Woidrockers aus Prackenbach für Stim- mung im Weißbierstadl.